Die geistige Botschaft der nordischen Edda

Die geistige Botschaft der nordischen Edda

Der Adler erhebt sich von Yggdrasil

Willkommen im mystischen Reich der nordischen Edda! Willkommen im Reich der Götter Odin, Loki, Thor, Balder, Freyr und anderen, im Reich der Göttinnen Frigg, Freya, Gerda, Sigyn und vielen mehr! Willkommen im Reich der Zwerge, Menschen und Riesen, in Asgard, Midgard und Nebelheim! Willkommen im Reich zwischen den beiden Augen von Odin!

Nachdem wir in der Sagenwelt der Nibelungen bereits so viel über die nordische Mystik gesprochen haben, möchten wir nun die Gestalten, Lieder und Geschichten der Edda noch ausführlicher betrachten. Das Wort „Edda“ kann man als „Urgroßmutter“ deuten, die uns viele Geschichten voller Weisheit aus längst vergangenen Zeiten erzählen kann. Aus Sicht von Historie, Wissenschaft und Natur wurde darüber schon viel geschrieben und interpretiert. Daher möchten wir uns der Thematik von einer anderen Seite nähern und vor allem nach der geistigen Tiefe und Bedeutung des überlieferten Textes suchen. Also nicht wundern, wenn wir nicht immer das schreiben, was schon hundertfach geschrieben wurde!

Dazu sind diese Internet-Seiten noch im Aufbau, also alles im Fluss und nichts versteinert. Für weitere Hinweise, konstruktive Kritik oder auch Fragen sind wir gern unter unseren E-Mail-Adressen am Ende dieser Seite erreichbar. Wir wünschen viel Geduld, Freude und Inspiration beim Lesen!

Mit allen guten Wünschen,
Undine & Jens


Inhaltsverzeichnis

Bearbeitungsstand:


Das Weltbild der Edda — Zusammenfassung

Aus geistiger Sicht können wir in der Edda ein höchst erstaunliches, umfassendes und interessantes Weltbild finden, welches das übliche Klischee des dunklen und unwissenden Mittelalters erneut infrage stellt. Vor allem die Göttergeschichten drehen sich um die Symbolik eines Weltenbaums, der als Baum des Lebens hinauf zum himmlischen Licht strebt und wächst. In seiner Krone und im Stamm kann man neun Welten finden, und an seiner Wurzel drei Brunnen:

Baum des Lebens, der neun Welten und drei Brunnen

Im Zentrum der neun Welten, wo sich die mächtigen Äste des Baumes verzweigen und trennen, befindet sich Midgard, unsere Menschenwelt. Von hier aus können wir uns in alle Richtungen wenden und entwickeln. Im Spiel von Feuer und Wasser kann man in diesem Baum eine Geistseite und eine Naturseite erkennen. Oben in den Blättern erscheint der Mikrokosmos mit den zwergenhaften Naturgeistern der Gestaltung, und unten am Stamm der Makrokosmos mit den riesenhaften Verkörperungen der materiellen Erstarrung.

Der mittlere Brunnen stellt im Prinzip ein Auge von Odin dar, aus dem der Mimir-Geist die allgemeine Schöpfung schöpft, die Odin mit dem anderen Auge betrachtet. Daher wird er auch als Schöpfergott und Allvater bezeichnet. Auf der Geistseite befindet sich der Schicksalsbrunnen, wo die Götter täglich über schicksalhafte Geschehnisse Gericht halten. Auf der Naturseite kann man sich vorstellen, wie die körperlichen Lebewesen aus einem Geburtsbrunnen in Niflheim, dem Nebelreich der Natur, geboren werden und ihren Weg nach Niflhel in den Tod gehen.

Neben Odin als Allvater werden viele weitere Götter und Göttinnen beschrieben, die als verschiedene Aspekte der unbeschreibbaren Gottheit betrachtet werden können und vor allem in Asgard zu Hause sind. Wie die Zwerge und Riesen werden auch sie menschenähnlich beschrieben. So hat es der Mensch einfacher, sich selbst in allem wiederzufinden. Und darin liegt wohl auch das große Ziel.

So spielt der Mensch nicht nur im Weltenbaum, sondern auch in den Götter- und Heldengeschichten eine zentrale Rolle. Dabei wird vor allem versucht, das psychologische Innenleben des Menschen zu erklären und in das Große und Ganze einzuordnen. Besonders interessant sind dazu die beiden grundlegenden Wege als Einherier oder Einzelkämpfer: Der Weg der Einzelkämpfer führt durch Trennung und Abgrenzung nach Niflhel in den Tod und erscheint wie eine dunkle Sackgasse und Endstation. Während der Weg der Einherier im „Heer der Einheit“ nach Walhall zur Halle von Odin führt und als ein Weg der beständigen Erneuerung und Regeneration erscheint, um sich im weltlichen Kampf zu üben. Dieses Prinzip der Erneuerung kann man überall im Kleinen und im Großen finden, bis hin zur zyklischen Erneuerung der gesamten Schöpfung, wenn alle Aspekte der Gottheit in Raum und Zeit vergehen und aus dem ewigen Licht von Gimle erneut entstehen.

In den Heldengeschichten werden viele alte Sagen verwendet, die wir bereits aus dem deutschsprachigen Raum kennen. Auch hier kann man eine tiefgründige Beschreibung der menschlichen Psychologie wiederfinden. Männliche und weibliche Kräfte im Inneren des Menschen bewegen sich wie Spielfiguren im großen Spiel zwischen Geist und Natur auf dem Spielfeld der Welt. Mit unseren heutigen Begriffen können wir vor allem die innere Seele und den äußeren Körper bezüglich der Natur sowie das trennende Ego, den denkenden Verstand und die ganzheitliche Vernunft bezüglich des Geistes unterscheiden. Wie im Weltenbaum steht auch hier der menschliche Verstand im Zentrum und kann sich entweder zum Ego oder zur Vernunft neigen, zur ganzheitlichen Seele oder zum abgegrenzten Körper. Doch im Grunde geht es darum, alle Kräfte friedlich und heilsam im Großen und Ganzen miteinander zu vereinen, um den Weg der Einherier zu gehen.

Es lohnt sich also in vielerlei Hinsicht, diese wunderbar tiefgründigen Texte der altnordischen Edda zu studieren. Danke!