Die geistige Botschaft der nordischen Edda

Die Weissagung der Seherin (Völuspa) - Zusammenfassung

Nach dem langen Text von „Gylfis Illusion“ möchten wir nun versuchen, das dort skizzierte Weltbild mit Hilfe der oft zitierten Völuspa noch einmal zusammenzufassen. Damit möchten auch wir einen großen Kreis schließen, denn mit dem ersten Vers der Völuspa haben wir im Kapitel über das Wesen von Odin unsere lange Reise in die geistige Welt der Edda begonnen.

1. Gehör erbitte ich von allen Wesen, höhere und niedere Söhne Heimdalls! Walvater (Odin) wünscht, dass ich den Wesen aufrichtig verkünde die älteste Kunde, deren ich mich erinnere.

Was ist das für ein Wesen, die Seherin, Völva oder Wala, die sich auf Wunsch des Walvaters erinnert und vorhersehen kann, was geschehen wird? Wie kann man die Zukunft vorhersehen? Zumindest kann man aufgrund von Ursachen auf gewisse Wirkungen schließen. In dieser Hinsicht erinnert die Seherin an die Seele der Natur als Prinzip der Verursachung, die auch im Meer der Ursachen lebt. Sie bittet nun alle männlichen bzw. geistigen Wesen um Gehör, um sich im Lernprozess der Schöpfung auswirken zu können. Dies sind die höheren und niederen Söhne von Heimdall, dem heimleuchtenden Bewusstsein, das alle Wesen in ihre ursprüngliche Heimat zurückruft. Und das ist sicherlich auch der Wunsch des Walvaters der Schöpfung, dem Vater der „Gefallenen“, dem Allvater der Geschöpfe, die in die formhafte Trennung gefallen sind.

Zu beachten ist hier die Verbindung zwischen Männlich und Weiblich als Geist und Natur. Denn wenn man nur die Naturseite betrachtet, kommt man schnell zu dem Schluss eines mechanistischen Weltbildes mit zwingender Verursachung, wie es vielen Naturwissenschaftlern im 19. Jahrhundert ergangen ist. Doch in der Quantenphysik des 20. Jahrhunderts wurde wieder klar, dass nicht alles in unserer Welt vorausbestimmt und berechenbar ist. Der Geist hat natürlich immer seine Freiheit, und vor allem der göttliche, der nun auch die Erinnerung nicht erzwingt, sondern wünscht. Denn der Geist ist es, der lebendig macht, und Leben ist natürlich auch Freiheit, ein Ausleben von Wünschen…

2. Ich erinnere mich der urgeborenen Riesen, die mich einst aufgezogen und ernährt haben. Neun Welten kenne ich, neun Äste des herrlichen Weltbaums, noch im Mutterboden verborgen.

3. Einst war die Zeit, als Ymir lebte. Es gab weder Sand noch Meer, noch kühle Wogen. Die Erde existierte nicht, noch der Himmel darüber. Es gab nur den gähnenden Abgrund (Ginnungagap), aber nirgends Gras.

Die Erinnerung beginnt bei Ymir, der sich als gefrorenes Meer der Ursachen betrachten lässt, in dem sich nichts mehr bewegen kann, ähnlich dem „Big Freeze“ der modernen Kosmologie. So steht Ymir auch für das Wesen der formhaften Frost- und Bergriesen des Makrokosmos, das zur Erstarrung neigt. Als Zwitterwesen ist Ymir auch der Mutterboden, in dem der Weltenbaum mit seinen neun großen Ästen der prinzipiellen Welten noch als Samen bzw. Potenzial verborgen liegt. Es gab also noch keine Wirkung und somit keine Verkörperung und kein wachsendes Leben der Erfahrung, wie das aus Samen wachsende Gras als Symbol für wachsende Lebewesen. Es gab nur einen „gähnenden Abgrund“, einen prinzipiellen Raum als Urgrund von Allem. Hier könnte man an ein physikalisches Energiefeld denken, oder aus geistiger Sicht an einen Bewusstseinsraum, die sich wie ein gähnender Mund öffnen können.

4. Bis Börrs Söhne (Odin, Wili und We als Inspiration, Wille und Weihe) das Land hoben und das mächtige Midgard schufen. Die Sonne schien von Süden auf die Steine der Halle, da wuchs aus der Erde grünes Gras.

Den Süden haben wir als Geistseite des Weltenbaums kennengelernt, und die Sonne erinnert dort an Gimle, den „feuerfesten“ Himmel, in dem die Geistwesen Ragnarök im ewigen Licht überleben. Nun kann man sich vorstellen, wie diese Geistwesen als geistige Sonne den Eis-Riesen Ymir, die „Steine der Halle“, wieder auftauen. So fließt das Wasser des Lebens wieder, und aus dem Meer der Ursachen können sie eine irdische Welt der wachsenden Lebewesen hervorheben bzw. schöpfen, nämlich Midgard, die mittlere Welt im Weltenbaum, wo das Gras grünt und dann auch die Menschen leben. Damit beginnt der Baum des Lebens und der Welten zu wachsen, der zunächst als zarter Spross erscheint und im Prinzip nur aus Midgard besteht. Er lebt vom Sonnenlicht, wächst ihm entgegen und strebt nach dem ewigen Licht.

5. Die Sonne, die Gefährtin des Mondes, legte von Süden die rechte Hand an den Himmelsrand. Die Sonne wusste nicht, wo sie ihren Saal hatte. Die Sterne wussten nicht, wo ihre Heimstatt war. Der Mond wusste nicht, was er an Kraft besaß.

So wird nun aus der geistigen Sonne auch eine körperliche Sonne für das weltliche Licht, das sich dann als Mondlicht im Verstand reflektiert. Sie erscheint mit ihrer rechten Hand bzw. gerechten Wirkung an der Grenze zwischen geistigem Himmel und natürlicher Erde. Denn die Sonne scheint unparteiisch über alle Geschöpfe. Nun muss der Geist bzw. das Bewusstsein noch das Wissen dazu geben, wo und wie diese Himmelslichter in der Natur wirken sollen. Die Kraft des Mondes erinnert bereits an den Mimir-Verstand der Schöpfung aus dem Auge Odins an der mittleren Wurzel des Weltbaums. Und das ist wohl auch die mächtigste Kraft in der Schöpfung.

6. Da schritten alle Ratenden (mächtig Wissenden) zum Richterstuhl, die heiligsten Götter, und beratschlagten: Sie gaben der Nacht und ihren (drei) Kindern Namen (Aud, Jörd und Dagr als Raum, Erde und Tag). Sie benannten Morgen, Mittag, Nachmittag und Abend, um die Zeit zu zählen.

So wird nun vom göttlichen bzw. ganzheitlichen Geist das Wissen gegeben, um die Natur zu bewegen und wirken zu lassen. Denn Wissen ist Macht, und Information formt von innen heraus die äußere Wirkung. Dazu gehören vor allem die Begriffe, mit denen der Verstand die Erscheinungen in Raum und Zeit begreifen kann.

Der Richterstuhl der heiligsten Götter wird in „Gylfis Illusion“ am Urdbrunnen des Schicksals beschrieben, sozusagen an der geistigen Wurzel des Weltbaums. Dort versammeln sie sich täglich zum Gericht, um im Spiel von Ursache und Wirkung die Umstände in der Schöpfung zu bestimmen. Denn nur ein ganzheitlicher Geist hat den nötigen Weitblick dafür. Doch im Grunde geschieht das alles von selbst. Nur unser Verstand benötigt hierfür begriffliche Unterscheidungen.

7. Die Asen trafen sich auf Idawöll (dem „Feld der Erneuerung von Idun“), wo sie Altar und Tempel hoch errichteten. Sie bereiteten Nahrung, schmiedeten Kostbares, schufen Zangen und fertigten Werkzeug.

Das Feld der Erneuerung erinnert an das gesamte Feld der Schöpfung. Die Tempel erinnern an die Geschöpfe und Körper der Lebewesen, in denen auf dem Altar des Verstandes die Gottheit verehrt und ihr geopfert wird. Dazu bereiten sie die geistige und körperliche Nahrung zu. Daraus schmiedet der Verstand die geistigen und körperlichen Reichtümer mit den Zangen der Begriffe und anderen Werkzeugen. Und alles entsteht und besteht in der Gottheit.

8. Sie spielen heiter ein Brettspiel (wie Hnefatafl) im Hof (der Schöpfung). Es fehlte ihnen nicht an Gold, bis drei Töchter der Riesen kamen, sehr mächtige, aus Riesenheim.

So gleicht nun Idawöll einem Spielbrett, auf dem die Geschöpfe wie Spielfiguren bewegt werden. Die Götter selbst spielen dieses kosmische Spiel als begriffliche Aspekte der Gottheit, damit sie unser Verstand verstehen und aus dem Spiel lernen kann. Und im Grunde spielen sie sogar mit sich selbst, soweit es ganzheitliche Wesen sind. Das Spiel begann in einem goldenen Zeitalter, in dem es am Gold der Wahrheit nicht fehlte. Doch dann kamen drei Töchter aus Riesenheim und das goldene Zeitalter ging zu Ende. Oder besser gesagt, es wurde vom Kampf der Gegensätze verdeckt, als die Probleme hervortraten, die in diesem Spiel gelöst werden wollen.

Hier können wir uns vorstellen, wie der Weltenbaum mittlerweile kräftig gewachsen war und vor allem der Stamm immer mehr ausgebildet und verhärtet wurde, wo man symbolisch die Welt von Jötunheim bzw. Riesenheim sehen kann. Die Töchter erinnern an die Seelen der Riesen. Mit ihnen haben sich auch die Götter verheiratet, um sie wieder zum Göttlichen zu führen. So sind daraus viele Göttinnen entstanden. Wie auch Frigg, die Ehefrau des Allvaters, eine Riesentochter war, die dann zur göttlichen Allmutter wurde.

Manche Forscher sehen in den drei Töchtern auch die drei Schicksalsnornen, die aber erst weiter unten im Text beschrieben werden, wie sie aus dem Schicksalsbrunnen entstehen. Zumindest scheinen die Berg- und Frostriesen des Makrokosmos nun immer mächtiger zu werden und die göttliche Herrschaft im Brettspiel zu bedrohen. Gegen diese drohende Übermacht der Riesen im Makrokosmos setzen nun die Götter die Zwerge des Mikrokosmos entgegen, Albheim gegen Jötunheim, Gestaltung gegen Erstarrung:

9. Da schritten alle Rater zum Richterstuhl, die heiligsten Götter, und beratschlagten, wer das Volk der Zwerge erschaffen sollte aus Brimirs (Ymirs) Blut und aus Blainns (des „dunklen“ Ymirs) Knochen.

10. Da war Modsognir („Mut-Trinker“) von allen Zwergen der trefflichste geworden und Durinn („Schläfriger“) der zweite. So schufen sie viele Zwerge mit Menschengestalten im Reich der Erde (Jörd), von Durinn ausgesprochen (aus dem Schlaf aufgeweckt).

11. Nyi und Nidi (Vollmond und Neumond), Nordri, Sudri, Austri und Westri (Norden, Süden, Osten und Westen), Althjof (mächtiger Dieb), Dwalinn (Schlafend), Bifurr, Bafurr, Bömburr (Dick, Geschwollen), Nori (Knirps), An (edler Freund) und Anarr (Anderer), Ai (Urgroßvater) und Mjödwitnir (Met-Wolf).

12. Wigg (Speer, Pferd) und Gandalf (Zauber-Alb), Windalf (Wind-Alb), Tharinn (Gähner), Thekk (Beliebt) und Thorinn (Wagnis), Thror (Wachsen), Wit (Klug), Lit (Farbig), Nar (Leiche) und Nyrad (neuer Rat), Reginn (mächtig Wissender) und Radswid (kluger Ratgeber). So habe ich die Zwerge folgerichtig aufgezählt.

13. Fili (Feile), Kili (Keil), Fundinn (Finder), Nali (Nadel), Hepti (Griff), Wili (Wille), Hanarr (Fähigkeit), Swiurr (Beweglichkeit), Frar (Schnelligkeit), Hornbori (Hornträger), Fräg (Ruhm) und Loni (Langweilig), Aurwang (Feuchtwiese), Jari (Sumpfig) und Eikinskjaldi (Eichen-Schild).

14. So ist es nun Zeit, die Zwerge aus Dwalinns Schar (dem „Schläfrigen“) den Menschen bis Lofarr (dem „Lobenswerten“) aufzuzeigen. Sie gingen von den Steinen der Halle (von Ymir) nach Aurvangars Sitz (der „Feuchtwiese“) in Jöruvellir (im Reich der Erde).

15. Dort waren Draupnir (Tröpfler) und Dolgthrasir (Feindeifer), Har (Hoher), Haugspori (Hügelgänger), Hlewang (Feldschutz), Gloi (Glühend), Skirfir (Spucker), Wirfir (Färber), Skafid (schädlicher Zauberer) und Ai (Stammvater).

16. Alf (Alb), Yngwi (Freyr-Verehrer), Eikinskjaldi (Eichenschild), Fjalarr (Verberger) und Frosti (Frost), Finn und Ginnarr (Betrüger). An diese lange Liste der Ahnen bis Lofarr (dem „Lobenswerten“) wird man sich erinnern, solang die Welt besteht.

So weckten die Götter aus dem Blut und den Knochen von Ymir eine bunte Schar von Zwergen als Naturgeister, die sie der materiellen Erstarrung der Frost- und Bergriesen auf dem Spielbrett der Schöpfung entgegensetzen, um die Schöpfung lebendig zu halten. Diese Zwerge bzw. Naturgeister der vielfältigen Gestaltung im Mikrokosmos sollte man sich wie kleine Menschen vorstellen, wie man sich auch die Götter und Riesen als Menschen vorstellte, um sich selbst in ihnen wiederzuerkennen. So kann der Mensch sein Bewusstsein erweitern, um seine egoische Abgrenzung zu überwinden und sich irgendwann als Ganzes in allem wiederzufinden. Diese Zwerge findet man nun als „Natur-Geister“ in einer großen Vielfalt. Manche neigen sich mehr zur Geistseite des Weltenbaums nach Lichtalbheim, und manche mehr zur dunklen Naturseite bis nach Niflhel.

So können wir uns vorstellen, wie nach der Hochzeit von Odin und Jörd als Allvater und Mutter Erde ihr Sohn Thor geboren wurde. Und mit seiner Geburt wurden auch die Zwerge erweckt, die Thors Hammer schmiedeten, wie auch Draupnir, den Ring der Erneuerung, und viele andere Waffen und Werkzeuge für die Götter, um eine lebendige Schöpfung zu bewahren. In dieser Hinsicht wurde hier diese Schöpfung bzw. Erweckung der Naturgeister als Gestaltungskräfte aus dem Schlaf im Leib von Ymir sicherlich nicht umsonst so ausführlich beschrieben. Denn sie ist die Voraussetzung dafür, dass nun aus der verhärteten Materie auch komplexere Lebewesen wie die Menschen entstehen können. So kann man in ihnen Millionen Zwerge in Millionen Zellen arbeiten sehen, damit der komplexe Organismus lebendig funktionieren kann.

17. Schließlich kamen drei aus der Schar der mächtigen und wohlgesinnten Asen zur Wohnstätte. Sie fanden am Strand Ask („Esche“) und Embla („Ulme“ oder „Schlingpflanze“), ohnmächtig und schicksalslos.

18. Sie besaßen keine Seele und keine Vernunft, hatten weder Blut noch Bewegung, noch gutes Aussehen. Odin gab ihnen Seele (Geist, Lebensatem), Hönir (Wili) gab Vernunft und Lodurr (We) gab Blut und gutes Aussehen.

Dazu heißt es ausführlicher in „Gylfis Illusion“ §9:

Als die Söhne Börrs am Meeresstrand entlangliefen, fanden sie zwei Baumstämme. Die hoben sie auf und erschufen daraus die Menschen. Der Erste (Odin) gab ihnen Seele (Geist, Atem) und Leben, der Zweite (Wili) Verstand und Bewegungsfähigkeit, der Dritte (We) äußere Gestalt, Sprechvermögen, Gehör und Sehsinn. Sie gaben ihnen Kleider und Namen. Der Mann hieß Ask („Esche“), die Frau Embla („Ulme“ oder „Schlingpflanze“), und aus ihnen ging das Menschengeschlecht hervor, dem Midgard zur Heimat gegeben wurde.

Die Entstehung der Menschen können wir hier symbolisch für alle komplexeren Lebewesen sehen. Die Baumstämme erinnern an den Baumstamm von Jötunheim, der nun in der Baumkrone mit Hilfe der vielfältigen Zwerge durch die Vielfalt der Lebewesen wieder lebendig gemacht wird. Man kann aber auch an die „Baumstämme“ aus dem Wald der Vorstellungen denken, die im Meer der Ursachen untergegangen waren und nun am Ufer der Schöpfung wieder auftauchen. Und der göttliche Geist macht sie in Midgard wieder wirksam und lebendig.

So kann man in den Namen Ask und Embla auch die beiden wesentlichen Seiten des Weltenbaums als Geist und Natur erkennen, die sich im Prinzip in allen Lebewesen als ein Spiel von Männlich und Weiblich zeigen, von Zeugend und Gebärend. Sie können sich nun fruchtbar verbinden und vereinen, um sich im Goldring der Regeneration als Ganzheit wiederzuerkennen. Dafür ist der Baum des Lebens und der Welten gewachsen:

19. Eine Esche weiß ich stehen, sie heißt Yggdrasil, ein hoher Baum, mit weißem Sand begossen. Daher kommt der Tau, der in den Tälern niederfällt. Sie steht immergrün über dem Urdbrunnen.

Nachdem nun die komplexeren Lebewesen und vor allem die Menschen geschaffen wurden, die wie alle Geschöpfe in die Trennung und den Lebenskampf fallen, wird der Lebensbaum „Yggdrasil“ genannt. Yggr bedeutet „Furcht und Schrecken“, und ist auch ein Beiname von Odin. Drasil ist ein altes, feierliches Wort für „Pferd“. Somit wird der Weltenbaum zu einem „Träger bzw. Pferd der schrecklichen Furcht“, auf dem der Walvater reitet, um das große Ziel der Schöpfung zu erreichen.

Der weiße Sand erinnert an das kristallierende Salz der Verkörperung in diesem Baum. Aus natürlicher Sicht können wir an das Kohlendioxid in der Luft denken, das der Baum über seine Blätter aufnimmt, um sich zu verkörpern. Denn ein Baum besteht zum Großteil aus Kohlenstoff, den er vor allem aus der Luft aufnimmt. Dafür atmet er den Sauerstoff aus, von dem dann die Lebewesen wie wir Menschen leben. Daran erinnert neben der Luftfeuchtigkeit auch der Tau, der als Wasser des Lebens in die Täler fällt und kondensiert.

Die Wurzel dieses Baumes kann man sich im ewigen Meer der Ursachen als Urd- bzw. Schicksalsbrunnen vorstellen, so dass der Weltenbaum des Lebens auch immer wieder wachsen und grünen wird.

20. Von dort kommen drei vielwissende Jungfrauen aus dem Wasser, das unter dem Baum liegt. Urd nennt man die eine, die zweite Verdandi und die dritte Skuld („Schicksal, Werden und Schuld“). Sie ritzten (die Runen) ins Holz, legten Bestimmungen fest und wählten das Leben der Menschenkinder, das Schicksal der Menschen.

Hier wird nun langsam das Spiel mit der Zahl „Drei“ klarer. Über die Symbolik der Dreiheit als Wirkungsdreieck haben wir bereits in vielen Märchen und Sagen nachgedacht. Überall, wo sich etwas bewegen soll, kann man drei Kräfte oder Prinzipien finden. Einfach ausgedrückt: Wirkung, Gegenwirkung und Wirkrichtung. Und auch in diesem Text liegt wohl die große Botschaft darin, in dieser Dreifalt wieder eine Dreiheit und sogar Einheit zu erkennen. In dieser Hinsicht sind die drei Brunnen des Lebensbaums in Wahrheit nur ein Brunnen, die drei Riesinnen sind nur eine Seele der Riesen, und die drei Söhne von Börr sind nur ein Sohn. Odin, Wili und We als Inspiration, Wille und Weihe sind nur ein Schöpfergott, wie auch Odin, Hönir und Lodurr bzw. Loki als Wirkung, Vernunft und Gegenwirkung. Sogar Odin und seine zwei Raben sind eine Einheit, wie auch Odin und seine zwei Wölfe. Und wie die drei Brunnen des Weltenbaums nur ein Brunnen sind, so sind auch die drei Welten auf der Geistseite nur eine Welt. Das Gleiche gilt für die drei Welten auf der Naturseite und die drei Welten dazwischen. Und schließlich sind auch Geist und Natur mit allen Naturgeistern und Geistnaturen zwischen ihnen nur ein Ganzes und Göttliches. Entsprechend sind auch die drei Schicksalsnornen von Gegenwart, Zukunft und Vergangenheit eine Ganzheit, eine ewige Gegenwärtigkeit im Hier und Jetzt, die von den Geschöpfen nicht zu trennen ist. Mit dieser ganzheitlichen Schicksalsnorne verschmilzt dann auch die Seherin, sodass sie nun auch in der dritten Person sprechen kann:

21. Sie erinnert sich an den ersten Kampf des Volkes in der Welt, als sie Gullveig („Gold-Trank“) mit Speeren stießen und in der Halle des Hohen (Odin) verbrannten. Dreimal verbrannten sie die dreimal Geborene, oft und immer wieder, doch sie lebt noch.

So wird auch hier von einer ganzheitlichen Halle des Hohen gesprochen, die an Walhall erinnert, wo sich die Einherier versammeln und im Kampf üben, die „im Heer der Einheit“ kämpfen und dienen. Daher bedeutet Walhall „die Halle der Gefallenen“, also aller Geschöpfe, die durch formhafte Abgrenzung in den Lebenskampf gefallen sind, aber doch niemals aus der Ganzheit und Gottheit fallen können. Hier geht es natürlich vor allem um die Menschen, damit wir uns in dieser Geschichte selbst wiederfinden können. Und weil die Götter ihnen Leben, Geist und Natur in Zeit und Raum gegeben haben, sind sie aufgrund ihrer Ganzheitlichkeit nun auch selbst menschlich geworden. Daher sagt man: „Gott ist Mensch geworden, damit der Mensch Gott werde.“

So kämpfen sie nun in Walhall mit ihrem Schicksal, das hier Gullveig genannt wird, ein „Gold-Trank“, der an den Götter-Met erinnert, den die Einherier in Walhall trinken und verdauen. Und darum geht es wohl auch in Walhall, um das karmische Schicksal zu verbrennen. Die Speere erinnern an die Kraft des schöpferischen Willens, um die schicksalhaften Wirkungen zu erwecken, die ausgewirkt und verbrannt werden wollen, aber nicht in Niflhel getötet, sondern ausgelebt.

22. Heidr („Glänzend, Lichtvoll“) nannte man sie, wo sie in die Häuser kam, eine wohl weissagende Seherin. Sie zauberte mit (Runen-) Stäben. Sie zauberte, wo sie nur konnte. Sie zauberte mit Hingabe, und war stets auch die Freude bösartiger Frauen.

Heidr kann man nun als das strahlende Licht der Seherin betrachten, wenn sie in die Häuser bzw. Körper der Lebewesen kommt. Sie erinnert an Heidrun, der Licht-Rune, die wie die Sonne von Gimle symbolisch als Ziege auf Walhall steht und aus ihrem Euter den Met als „Gold-Trank“ für die Einherier fließen lässt, die „Lichtmilch“, mit der sie ihre Kinder ernährt. Aus geistiger Sicht können wir hier über das formlose Bewusstsein nachdenken, das alle Formen annehmen kann und von dem alle Wesen leben. Ja, das erscheint wirklich wie ein großer Zauber, wenn Information zu Wirklichkeit wird, wie auch Energie zu Materie. Dieser geheimnisvolle Zauber erscheint überall in der Schöpfung und lässt sich hinter allen Formen, Zeichen und Buchstaben erkennen. Dazu gibt sich das ganzheitliche Bewusstsein hin, ohne sich jemals zu erschöpfen.

Was ist „Bewusstsein“? Man könnte sagen „Bewegtes Wissen im Sein“. Also ein Fluss des Wissens im Dasein. In dieser Hinsicht kann man nicht nur an den Met als Göttertrank der Ganzheit denken, sondern auch an den Wein der „Illusions- und Schöpferkraft“, von dem Odin als Allvater und Schöpfergott lebt, oder auch an das berauschende Bier als „Gold-Rausch“, von dem die Vielfalt der Wesen lebt.

Die bösartigen Frauen erinnern an jene Seelen und Naturwesen, die sich nicht mit den Göttern zum Kampf um die Einheit verbinden, um Göttinnen zu werden, sondern mit den egoischen Einzelkämpfern, die sich durch Abgrenzung an eigenen Formen festhalten wollen. Auch sie leben natürlich von diesem Licht des Bewusstseins und finden ihre Freude an diesem Zauber, der in jeder beliebigen Form erscheinen kann.

23. Da schritten alle Ratenden (mächtig Wissenden) zum Richterstuhl, die heiligsten Götter, und beratschlagten, ob die Asen Buße zahlen sollten, oder ob alle Götter Opfer empfangen sollten.

Wie sollen nun die heiligen bzw. ganzheitlichen Götter auf diesen schicksalhaften Zauber reagieren, der nach der Erweckung der Naturgeister und komplexeren Lebewesen aus dem Meer der Ursachen im Urdbrunnen aufgetaucht ist? Sollen sie dafür Opfer darbringen? Oder sollen sie Opfer empfangen und sogar fordern?

24. Odin schleuderte den Speer und schoss ihn ins Heer, das war der erste Kampf in der Welt. Gebrochen war der Wall der Asen-Burg, schlachterprobte Wanen durchstreiften das Feld.

Odins Speer heißt Gungnir, der „Wellende“, und erinnert an die aufgeweckten Wellen des Willens aus dem Meer der Ursachen, die nun zu Wirkungen werden, die gegeneinander kämpfen. Damit zerbricht auch der Grenzwall zwischen Geist und Natur, denn zwischen ihnen besteht nun Midgard als unsere Menschenwelt. Hier treffen die Asen und Wanen als Geist- und Naturgötter zum großen Kampf aufeinander. Dieser Kampf wird auch als Wanen-Krieg beschrieben. Er endete mit einem Friedensvertrag, indem man sich gegenseitig als Götter anerkannte und dafür symbolisch Geiseln austauschte. So wurde Njörd ein Ase, und Hönir, den wir als göttliche bzw. ganzheitliche Vernunft gedeutet haben, wird zum König der Wanen in der Natur. Das heißt, Geist und Natur wurden von beiden Seiten als göttliche Einheit anerkannt. Auf diese Weise gingen die Götter beide Wege: Sie opferten sich selbst und empfingen auch selbst diese Opfer.

Die Gottheit fordert nicht mehr, als sie selbst gibt.

25. Da schritten alle Ratenden zum Richterstuhl, die heiligsten Götter, und beratschlagten, wer die ganze (frische und gute) Luft mit Gift vermischt und der Sippe des Riesen Odrs Frau (Freya) gegeben hätte.

Hier steht nun die Frage, wer eigentlich diese Mauer zwischen Geist und Natur errichtet hatte, sodass die ganze Atemluft der Lebewesen mit dem Gift der Trennung verseucht wurde? Wer hatte die schöne Freya als Göttin der sinnlichen Liebe, Schönheit und Fruchtbarkeit, die mit Odr als Lebensgeist verheiratet ist, den formhaften Materie-Riesen gegeben? Die dazugehörige Geschichte wird in „Gylfis Illusion“ §42 erzählt. Natürlich gehört Freya als ganzheitliche Göttin auch den Berg-Riesen. Doch sie wollten sie als egoistischen Besitz festhalten und haben dafür diese Mauer um sich selbst herum gebaut. Doch diese wird von Thor wieder zerschlagen, vor allem in ihren Köpfen des erstarrten Verstandes:

26. Thor allein schlug dort zu, von (göttlichem) Zorn erfüllt, denn er bleibt selten sitzen, wenn er solches erfährt. Da brachen die Eide, gegebene Worte und Schwüre, alle bedeutenden Vereinbarungen, die zwischen ihnen ausgetauscht wurden.

Als die Götter diese egoistische Motivation des Eigenbesitzes als Betrug ihnen gegenüber erkannten, waren sie an keinen Friedensvertrag mehr gebunden. So richtet sich nun ihr Kampf gegen jene Wesen, die die göttliche Schöpfung mit dem Gift der Trennung verseuchen wollen. Das geschieht vor allem in Midgard und Jötunheim, wo nun Thor den Kampf führt, vor allem mit seinem Hammer, den ihm die Zwerge geschmiedet hatten.

Damit schließt sich hier im Prinzip der Kreis zur Ankunft der drei Riesentöchter im Götterreich und der Erweckung der Zwerge als Naturgeister in Albheim, das der Welt von Jötunheim gegenüberliegt. Und dazwischen befindet sich Midgard im Zentrum aller Welten, am Ende des verhärteten Stammes, wo sich die großen Äste verzweigen, sodass für die Wesen in Midgard die Wege in alle Welten offenstehen.

27. Sie weiß um Heimdalls Horn, verborgen unter dem heiligen lichtgewohnten Baum. Sie sieht, wie ein erdiger Fluss aus Walvaters Pfand entströmt. Wisst ihr‘s zu deuten?

Hier beginnt nun ein neuer Abschnitt über den Weltenbaum des Lebens, der vom Licht lebt und nach dem Licht strebt. Denn unter bzw. hinter diesem Baum ist Heimdalls Horn verborgen, das „heimleuchtende“ Bewusstsein, das alle Wesen wieder in ihre ursprüngliche Heimat ruft, ins ewige Licht von Gimle. Er wird als ein heiliger Baum bezeichnet, denn auch er ist ein ganzheitliches Wesen, das aus dem Auge des Walvaters entsteht und sich als irdischer Fluss der Schöpfung verkörpert. Danach folgt der Refrain „Wisst ihr‘s zu deuten?“, der sich nun insgesamt neunmal wiederholt. Mit ihm wird noch einmal klar, dass es hier um eine symbolische Sprache geht, die den Verstand des Lesers herausfordert, die tiefsinnigen Worte zu deuten. Auch wir wollen unser Bestes tun…

28. Allein saß sie draußen, als der Alte kam, das Wesen von Ygg (-drasil) unter den Asen, und ihr in die Augen schaute. (Da sprach sie:) „Was fragt ihr mich? Warum versucht ihr mich? Ich weiß alles, Odin, wo du dein Auge verbargst, im berühmten Brunnen von Mimir. Met trinkt Mimir jeden Morgen aus Walvaters Pfand.“ Wisst ihr‘s zu deuten?

Auch hier wird wieder die Sicht der Einheit gefordert, von Schöpfer, Schöpfung und Erscheinung, so dass es heißt: „Allein saß sie draußen…“ So besteht die ganze Schöpfung im Grunde nur aus dem strahlenden Licht der Seherin, aus der ewigen Sonne von Gimle, dem reinen Bewusstsein, das alles weiß. Und alles Gesehene erscheint im ganzheitlichen Auge Gottes, der dafür sein Auge als Pfand gegeben hat, um es am Ende der Schöpfung wieder einzulösen. Auch dieses Auge kann man als Symbol für das Bewusstsein sehen, das im Meer der Ursachen verborgen liegt, um die schicksalhaften Ursachen auszuwirken und dabei zu verbrennen. So schöpft nun der Mimir-Verstand jeden Morgen, wenn das Licht der weltlichen Sonne aufgeht, aus diesem Auge und bringt damit die gesamte Verstandes-Schöpfung hervor, um diesen Fluss des Wissens als Met zu trinken, als „Gold-Trank“ und Göttertrank.

So wird auch Odin als ganzheitliches „Wesen des Weltenbaums“ bezeichnet und von der Seherin in der Mehrzahl angesprochen: „Was fragt ihr mich?“ Denn als ganzheitlicher Walvater und Allvater vereint er natürlich alle Geschöpfe in sich. Deshalb fragte er auch und wirkt nun als Heervater und Vorbild der Einherier im Lebenskampf:

29. Ihr reichte Heervater Ringe und Halsschmuck. Dafür erhielt er Weisheitssprüche und Seherzauber, denn sie sah weithin über jede Welt.

So gibt er der Seherin die Ringe der Einheit und den Halsschmuck der äußeren Schönheit zwischen dem Verstandeskopf und der Körperlichkeit, um dafür Weisheit und die zauberhafte Sicht auf alle Welten zu empfangen. Denn wie sollte er den Geschöpfen helfen, wenn er nur die reine Sicht im reinen Licht hätte? So sieht er nun auch ihre Probleme, die durch begriffliche Unterscheidung im Verstand entstehen. Und so „wurde Gott Mensch, damit der Mensch Gott werde“. Für diesen „Gott-Mensch“ stehen dann auch die Symbole seiner beiden Raben Hugin und Munin als Gedanke und Gedächtnis, mit denen er wie Menschen denken kann, sowie seine beiden Wölfe Geri und Freki als Begierde und Gefräßigkeit, die sich wie Menschen ernähren. Diesbezüglich kann man auch an Odins Runenlied denken, das mit den Worten beginnt:
Ich weiß, dass ich neun lange Nächte am Wind-Baum hing, vom Speer verwundet, dem Odin geweiht, mir selber ich selbst, an dem Baum, dem man nicht ansehen kann, aus welcher Wurzel er wächst. Ich bekam weder Essen noch Trinken. Da blickte ich nach unten, auf Runen sinnend. Ich lauschte achtsam, lernte sie seufzend: Endlich fiel ich zur Erde…

So wurde auch Odin selbst von seinem eigenen Speer des Schöpferwillens verwundet und lernte am Weltenbaum die Weisheitssprüche und Geheimnisse der Zauberrunen, wie die Menschen sie lernen sollten, um sich selbst zu erkennen und in der Ganzheit wiederzufinden. Diese „Selbsterkenntnis“ kann man als Höhepunkt im Schöpfungszyklus sehen. Und danach folgt die „Selbstverwirklichung“ im Lebenskampf, um die karmische Schuld auszuwirken, was dann in Ragnarök gipfelt, dem „Schicksal der mächtig Wissenden“.

30. Sie sah Walküren („Wählerinnen der Gefallenen“), weither gekommen, bereit zu reiten zum Gotenvolk (Göttervolk). Skuld („Schuld“) hielt einen Schild, Skögull („Erschüttern, Erwecken“) war die andere, Gunn („Gefecht“), Hild („Kampf“), Göndull („Zauberstab“) und Geirskögull („Speer-Erweckung“). Nun sind sie genannt, die Frauen des Heerführers (Odin), bereit, als Walküren übers Land zu reiten.

Die Walküren haben wir als Dienerinnen des Walvaters kennengelernt. Das Göttervolk erinnert an die Geschöpfe des Allvaters, die den schicksalhaften Lebenskampf kämpfen. Dazu kann man sich vorstellen, wie die Walküren die Umstände des Kampfes verkörpern und die Kämpfer entsprechend der karmischen Schuld immer wieder erwecken und zum Kampf wählen. Daher wird hier auch die Schicksalsnorne Skuld als Walküre genannt, die als karmische Schuld vor allem den Lebenskampf verursacht. Ihr Schild könnte daran erinnern, dass man diese Schuld nicht direkt angreifen und töten kann, sondern im Kampf auswirken und ausleben muss. Und je nachdem, wie die Kämpfer auf die Umstände im Lebenskampf reagieren, werden auch ihre Wege gewählt, so dass sie entweder den Weg der Einherier nach Walhall gehen oder als Einzelkämpfer nach Niflhel.

31. Ich sah Balder, Odins Kind, wie einem blutenden Opfertier das Schicksal bestimmt. Gewachsen war, über dem Feld hoch, schmal und sehr schön, der Mistelzweig.

In diesem Lebenskampf der „Selbstverwirklichung“ kann man die Götter als Führer und Vorbilder betrachten. Der Vergleich mit dem blutenden Opfertier erinnert an Vers 23, wo es um das Selbstopfer der Götter ging. So demonstrieren sie uns sogar den Weg nach Niflhel, wie es dazu kommen kann, dass das ganzheitliche Licht in Gestalt von Balder als Gott des Lichtes von seinem eigenen Tod träumen, sterben und den Weg nach Niflhel gehen kann. Die dazugehörige Geschichte wurde ausführlich in „Gylfis Illusion“ §49 erzählt. Die Ursache für diesen Tod war die Anhaftung an einer Form des Lichtes, die nicht verletzt werden und ewig bestehen sollte. Auch wenn man die härtesten Gesetze aufrichtet, eine kleine Ausnahme reicht aus, um jede vermeintliche Sicherheit in irgendeiner Form der Schöpfung zu durchbrechen. Dafür diente hier symbolisch der kleine Mistelzweig, den auf Wunsch von Loki der blinde Bruder Hödur auf Balder schoss, der Gott der Dunkelheit, sodass Balder starb, zumindest in seiner Form als Gott des Lichtes.

So kann man sich vorstellen, wie die geistige Anhaftung an eine bestimmte Form den formhaften Geist in die Sackgasse des Todes führt, wenn diese Form vergeht und verschwindet. Eben das stellen wir uns gewöhnlich als Tod vor, wie scheinbar auch Balder stirbt. Um diese Vorstellung zu überwinden, wird nun unser Verstand herausgefordert:

32. Aus diesem Holz, das dünn schien, wurde das gefährliche Harmgeschoss, und Hödur schoss es. Doch Odins Sohn, Balders Halbbruder (Wali), war schnell geboren, und begann, eine Nacht alt, zu töten.

33. Er wusch nicht die Hände und kämmte nicht das Haar, ehe er Balders Todesschützen (Hödur) zum Scheiterhaufen trug. Aber Frigg beweinte in Fensalir („Sumpf- bzw. Wasserhalle“) die Not Walhalls. Wisst ihr‘s zu deuten?

Ohne göttliches Licht würde natürlich diese Schöpfung sogleich in der Dunkelheit verschwinden. So zeugt nun Odin mit Rinda, der „Beschützerin“ der Schöpfung, einen Sohn namens Wali, den wir als Lebensprinzip deuten können. Denn auch das Leben ist ein göttliches Licht. Entsprechend tötet Wali allein durch seine Geburt das göttliche Prinzip der Dunkelheit in Gestalt von Hödur, damit die Schöpfung bewahrt bleibt. Wunderbare Symbolik! Das Leben tötet die Dunkelheit, die das Licht getötet hat…

Frigg ist die Ehefrau von Odin, sozusagen die Allmutter an der Seite des Allvaters. Und wie Odin in Walhall, der „Halle der Gefallenen“, herrscht, so herrscht Frigg in der „Sumpf- bzw. Wasserhalle“ Fensalir, die an die irdische Welt als Hof von Walhall erinnert, wo die Geschöpfe sozusagen im „Sumpf“ leben, in einer Mischung aus verkörperter Erde und Wasser des Lebens. Dort beweint sie die Not von Walhall, denn Balder und Hödur gingen nicht den Weg der Einherier nach Walhall, sondern den Weg der Einzelkämpfer nach Niflhel. Das ist natürlich ein schwerer Schlag für die Einherier in Walhall und eine große Herausforderung, daraus zu lernen, vor allem die Einsicht: Der Untergang der formhaften Schöpfung ist nicht aufzuhalten, wie es auch die Seherin sah:

34. Da kann Wali Todesbande knüpfen, und sehr fest waren die Fesseln, aus Därmen.

Wie Wali die Gegenwirkung des Lichtes getötet hatte, so bindet er nun auf Wunsch der Götter auch Loki als göttliches Wesen der Gegenwirkung. Denn Loki hatte für die Sterblichkeit Balders gesorgt, und nun befürchten die Götter, dass er auch für ihren eigenen Untergang zusammen mit der formhaften Schöpfung sorgen könnte. Die dazugehörige Geschichte wird ausführlich in „Gylfis Illusion“ §50 erzählt, wo deutlich wird, dass Loki eher als Gegenwirkung gegen den Untergang handelte. Trotzdem wollten ihn die Götter zurückhalten und binden, vor allem Thor, der die Erstarrung bekämpft. So geschieht Lokis Bindung symbolisch durch die Därme seines eigenen Sohnes Narfi, dem „Verengenden und Begrenzenden“.

35. Einen Gefangenen sah sie unter dem Wald der sprudelnden Quellen (Hweralundr) liegen, eine Unheilsgestalt, dem Loki gleich. Dort sitzt Sigyn („Sieg-Bringerin“), traurig um ihren Mann. Wisst ihr‘s zu deuten?

Gebunden wurde er unter den Quellen des Lebensbaums, sozusagen im Meer der Ursachen, weil man nun in ihm eine „Unheilsgestalt“ sah. Im Prinzip ist dies eine ähnliche Höhle oder Hölle wie Niflhel, aber offenbar im Osten unter dem Stamm des Weltenbaums, wo nun das schmerzhafte Gift der Trennung und Abgrenzung auf ihn herabtropft. Dort wird er von seiner Frau Sigyn beweint, die das grausame Gift in einer Schale auffängt, welche sie dann ausleert, wenn sie voll ist:

36. Ein Fluss strömt von Osten durch Gifttäler, mit Messern und Schwertern: Slid (der „Gefährliche, Grausame“) heißt er.

Hier kann man sich nun gut vorstellen, wie mit der Bindung von Loki und seiner Qual durch das Gift der Trennung der Untergang der Schöpfung nur umso schmerzlicher beschleunigt wird. War dieses Opfer beabsichtigt? Denn auch dieses Leiden erträgt durch Loki die Gottheit selbst, was offenbar für die ganzheitliche „Selbstverwirklichung“ nötig ist, um das karmische Schicksal zu verbrennen. Und Sigyn sorgt als „Sieg-Bringerin“ dafür, dass dieses Gift der Trennung „mit Messern und Schwertern“ durch den Stamm des Weltenbaums in alle Welten fließen kann, damit auch alle Wesen dieses Leiden mittragen und auswirken können. Darin zeigt sich auch das Wesen von Sigyn als Seele der Natur und Prinzip der Verursachung, die im Meer der Ursachen dafür sorgt, die dort gebundenen Wirkungen wieder hervorzubringen. Das würde bedeuten: Im Auswirken und Überwinden dieses Giftes der Trennung liegt der Sieg der gesamten Schöpfung. Und alle Geschöpfe sollen hier mitwirken.

37. Im Norden stand in Nidawellir (der „dunklen Felder“ oder Nidafjöll als „Neumondberg“), ein Saal aus Gold, von Sindris Geschlecht („Sinter, Verhärtung“ als Gestaltung). Ein anderer stand auf Okolnir („Niemalskalt“), der Biersaal eines Riesen, und der heißt Brimir (Ymir als Eis-Riese).

Nun sieht die Seherin in diesem Meer der Ursachen unter den „Quellen im Wald der Vorstellungen“ neben der Höhle von Loki noch weitere Räume, die in „Gylfis Illusion“ §52 als ewige Bereiche beschrieben werden, in denen die Wesen sogar Ragnarök überleben können. Hier sieht sie den Raum der Zwerge im Mikrokosmos, wie auch den Raum der Riesen des Makrokosmos. Das Gold erinnert wieder an die Wahrheit, aus der alles entsteht und besteht. Und auch der Raum von Ymir wird niemals ganz kalt, wie auch der „Big Freeze“ niemals den absoluten Temperatur-Nullpunkt erreicht. Denn Ursachen können niemals völlig erstarren, sondern werden sich irgendwann auswirken müssen.

38. Einen Saal sah sie der Sonne fern am Nastrand („Leichenstrand“) stehen, nach Norden die Tore gerichtet. Gifttropfen fallen durch die Dachöffnung, diese Halle ist umwunden von Schlangenrücken.

39. Dort sah sie waten durch beschwerliche Ströme meineidige Männer und Mörder und den, der eines anderen Ohrflüsterin („Ohr-Rune“ als Ehefrau bzw. Natur) verführt. Dorthin saugte Nidhögg („Hass-Schläger, Hass-Schlange“) die Leichen der Toten. Der Wolf zerriss die Männer. Wisst ihr‘s zu deuten?

Der dritte Raum von Nastrand erinnert als „Leichenstrand“ an das dunkle Totenreich, das von der ewigen Gimle-Sonne weit entfernt ist. Seine Tore zeigen nach Norden in das Naturreich des Weltenbaums, sozusagen zwischen Niflheim und Niflhel. Dieser Raum wird von den Ego-Schlangen der Abgrenzung geschaffen, die ihr Gift der Trennung hineinspeien. So wird an diesem „Leichenstrand“ der egoische Geist der Trennung aus dem Fluss der Schöpfung angespült, der das göttliche Eheversprechen zwischen Geist und Natur als geistige Einheit und natürliche Vielfalt mit ihrer Runen-Botschaft gebrochen hat und nicht den Weg der Einherier gegangen ist. Dieser Geist glaubt an seinen eigenen Tod, wird damit zum Mörder an sich selbst, und die Ego-Schlange des Hasses zieht ihn zusammen mit seiner körperlichen Leiche, vom Wolf der Vergänglichkeit zerrissen, in diesen Bewusstseinsraum des beschwerlichen Leidens, das daraus immer wieder entsteht.

40. Ostwärts saß die Alte im Eisenwald und gebar dort Fenrirs Brut (die „sumpfigen“ Wölfe). Von ihnen allen wird ein Bestimmter in Riesengestalt zum Verschlinger des Mondes.

41. Er füllt sich mit den Leibern Todgeweihter und rötet der Götter Sitz mit rotem Blut. Schwarz wird der Sonnenschein im Sommer danach, voll schrecklicher Unwetter. Wisst ihr‘s zu deuten?

Wie entsteht dieser verdunkelte Bewusstseinsraum der Toten? Der östliche Eisenwald erinnert an einen Wald aus eisenharten Vorstellungen, dem erstarrtem Riesen-Verstand, der an äußerlichen Formen anhaftet. Die Alte erinnert an die Riesin Angrboda, die „Sorgen-Botschafterin“ als erste Ehefrau von Loki, die ihm drei Kinder geboren hat, nämlich den Fenris-Wolf, die Midgard-Schlange und die Totengöttin Hel, als die Prinzipien der Vergänglichkeit, der Abgrenzung und des Todes. Hier kann man sich vorstellen, wie dies am Anfang der Schöpfung im goldenen Zeitalter als Gegenwirkung geschah, um die Probleme hervorzuholen, die es im Schöpfungszyklus zu lösen gilt. Diese Prinzipien wurden dann einige Zeit gebunden, um einen Lernprozess in der Schöpfung zu ermöglichen. Und nun befreien sie sich wieder und vollbringen ihre Aufgabe auf dem Weg zu Ragnarök.

Zuerst befreit sich der Wolf Hati als egoischer „Hass“, der den reflektierenden Mond-Verstand in den Sumpf der Vergänglichkeit verschlingt. Dieser Wolf ernährt sich von den Leibern der todgeweihten Einzelkämpfer, die nur für sich selber leben, an den Tod als Endstation glauben und nicht als Einherier im Heer der Einheit dienen. Aus ihrer Sicht verbluten und sterben sogar die ewigen Götter. Und mit dem Mondlicht des reflektierenden Verstandes verschwindet auch ihre Sonne mit dem Licht des Lebens, so dass sie im dunklen Totenreich keinen fruchtbaren Sommer der Erneuerung mehr sehen.

42. Dort saß auf dem Grabhügel und schlug die (Schicksals-) Harfe, der Riesin Hüter, der frohgemute Eggther („Diener der Schwertschneide“). Bei ihm krähte im Galgenwald der herrlich-rote Hahn, der Fjalarr heißt („der Verbergende, Täuschende“).

Der unterscheidende Verstand als „Diener der Schwertschneide“ erinnert an Utgardloki, der als König von Utgard in Jötunheim auf dem Berg der Materie sitzt. Nun hütet er als „Loki der Außenwelt“ das Wesen von Angrboda, der „Sorgen-Botschafterin“, die sich mittlerweile in Sigyn als „Sieg-Bringerin“ verwandelt hat. Daher schlägt er frohgemut die Schicksalsharfe, denn nach dem Verlauf der Geschichte von Thors Reise nach Utgard wusste er im Prinzip, wohin das Schicksal von Ragnarök läuft.

Der „Galgenwald“ wäre dann wieder der „Eisenwald der verhärteten Vorstellungen“, die durch formhafte Bindung den Anhaftenden zum tödlichen Galgen werden. Dort ruft nun in Riesenheim der feuerrote Hahn der Illusion zum letzten großen Kampf von Ragnarök.

43. Bei den Asen krähte Gullinkambi („Goldkamm“), der die Männer des Heervaters weckt. Ein anderer kräht unter der Erde, ein ruß-roter Hahn, in den Hallen Hels.

Der symbolische Hahn erinnert im Prinzip an das Horn von Heimdall, das „heimrufende“ Bewusstsein, das nun auch in Walhall die Götter und Einherier weckt und zum großen Kampf ruft. Der „Goldkamm“ könnte das Gold der Wahrheit andeuten, das nun die wirr verstrickten Gedanken wieder glätten möchte, die aus dem Kopf der Verstandes-Schöpfung gewachsen waren. Ähnlich kräht dann auch im dunklen Totenreich der Hel ein „ruß-roter Hahn“, im Gegensatz zum „herrlich-roten Hahn“ in Riesenheim. Das „Rot“ erinnert an das Feuer, um die schicksalhaft-karmische Schuld zu verbrennen, das in der Außenwelt hell sichtbar brennt, aber im Totenreich unter schwarzem Ruß verborgen und fast erstickt wurde. So wird hier auch deutlich, dass es im Totenreich keine ewige Ruhe gibt, wie manche glauben.

Was hier nicht mehr erwähnt wird, ist das Reich der Zwerge, die als Naturgeister der Gestaltung offenbar zu Ragnarök keine wichtige Rolle mehr spielen. Dies könnte bedeuten, dass die Macht der Erneuerung und Regeneration in der Schöpfung verlorengegangen ist, ähnlich wie in einem überalterten Menschenkörper. Hier kann man an die symbolische Geschichte von Balders Tod denken, als Thor den Zwerg Lit als „farbige Gestaltung“ mit ins Leichenfeuer gestoßen hatte, wie auch Odin den Ring Draupnir ins Feuer gab.

44. Laut heult nun Garm (als Wachhund) vor Gnipahellir (der „Klippe vor der Höhle“). Die Fessel wird reißen, und der Wolf rennen. Viel Kunde weiß sie, und weiter sehe ich das gewaltige Ragnarök der Sieggötter voraus:

Garm wird gewöhnlich als Wachhund für das Totenreich der Hel beschrieben. Hier steht er vermutlich allgemein für einen Wolf der Vergänglichkeit, der als Wachhund gezähmt und angekettet wurde, um einen bestimmten Wohnort der Wesen zu beschützen. Diese Grenzen verschwinden nun auf dem Weg zu Ragnarök, wenn sich die Gegensätze im Kampf auflösen wollen. So zerreißt auch die Kette bzw. Fessel, und aus dem gezähmten Wachhund wird wieder ein verschlingender Wolf der Vergänglichkeit, die nur für eine Weile in Raum und Zeit gebunden war. Auch das kann natürlich die Seherin im Spiel von Ursache und Wirkung vorrausehen.

Denn dies ist Ragnarök, das „Schicksal (rök) der mächtig Wissenden (regin)“, also „das Schicksal der Götter und der gesamten Schöpfung“, sozusagen von allem, was aus Wissen bzw. Information durch die Verstandes-Schöpfung von Mimir entstanden ist. Und dieses Schicksal ist natürlich ein „Sieg der Götter“ und damit ein Sieg der Ganzheit über jegliche Abgrenzung und Trennung. Was sonst?

Dieser Vers wird nun viermal wiederholt, offenbar für vier Ebenen oder Stufen von Ragnarök. Bezüglich der ersten drei kann man an die drei „Gelmir“-Riesen als „Schreier“ denken, die im Prozess der Schöpfung als „Aussprechende“ beschrieben wurden. Nun lösen sie sich zusammen mit den drei Brunnen des Lebensbaums in umgekehrter Reihenfolge wieder auf und kehren ins Schweigen zurück:

So kann die Seherin aus dem Prozess der Schöpfung auf den der Auflösung schließen. Denn der Weg hinein ist auch der Weg heraus.

Die erste Ebene kann man in Midgard sehen, der Welt der komplex-verkörperten Lebewesen, wie wir Menschen, die als egoisch-abgegrenzte Individuen aus dem Brunnen Hwergelmir geboren wurden:

45. Brüder werden gegeneinander kämpfen und sich den Tod bringen. Schwesternsöhne werden die Verwandtschaft zerbrechen. Schlimm ist es in der Welt, viel Ehebruch, Axtzeit, Schwertzeit, gespaltene Schilde, Windzeit, Wolfszeit, bis die Welt zugrunde geht: Kein Mann wird den anderen schonen.

46. Mimirs Söhne spielen, das Schicksal entflammt beim alten Gjallarhorn (dem „Rufhorn“ Heimdalls): Laut bläst Heimdall, das Horn ist in der Höhe, und Odin berät sich mit Mimirs Kopf.

So zerbricht nun zuerst die Ordnung in Midgard und jeder kämpft gegen jeden, vor allem die männlichen bzw. geistigen Wesen. Alle Bindungen zerbrechen, denn alles Gebundene will sich nun wieder auflösen. So spielen „Mimirs Söhne“, unter denen man sich alle Geschöpfe vorstellen kann, ihr letztes großes Kampfspiel, wenn unter dem himmlischen Ruf des heimleuchtenden Bewusstseins das karmische Schicksal entflammt und verbrennt.

Odin berät sich am Mimir-Brunnen mit dem Kopf des Mimir-Verstandes an der Wurzel des Lebensbaums, denn er ist als Heerführer und Vorbild der Einherier ein ganzheitliches Wesen, das nicht eigenwillig handelt. Und welchen Rat bekommt er dort? Vermutlich das, was wir nun lesen werden: Wie der Fluss der Schöpfung aus dem Mimir-Brunnen zu Ende gehen will, und wer mit wem kämpfen muss, um sich aufzulösen.

47. Bebend steht die Esche Yggdrasil, der alte Baum ächzt, und der (Feuer-) Riese befreit sich. Alle erschrecken auf den Hel-Wegen, ehe ihn Surts Verwandter verschlingt (bevor das Feuer den Weltenbaum verschlingt).

Durch die Auflösung von Midgard als Herz des altgewordenen Weltenbaums vergeht nun auch der gesamte Baum des Lebens. Und die Wesen auf den Hel-Wegen, die nicht als Einherier dienen, erschrecken natürlich am fürchterlichsten über diesen Untergang, weil sie darin ein Ende im Tod sehen.

Das Verbrennen des gesamten Weltenbaums im Schicksalsfeuer, das nun aus Muspelheim kommt, weil auch diese Grenze verschwindet, deutet bereits die zweite Ebene von Ragnarök an. Aus Sicht der modernen Physik können wir hier an die Umwandlung von Materie in Energie zwischen Jötunheim und Muspelheim denken. Dies wäre sozusagen die energetische Auflösung der erstarrten Materie. Und wenn alles verbrannt ist, folgt der „Big Freeze“, der wieder an Ymir erinnert.

Die folgenden zwei Verse haben wir in ihrer Reihenfolge vertauscht, um die Struktur der Ebenen besser zu verdeutlichen:

49. Laut heult nun Garm vor Gnipahellir (der „Höhlenklippe“). Die Fessel wird reißen, und der Wolf rennen. Viel Kunde weiß sie, und weiter sehe ich das gewaltige Ragnarök der Sieggötter voraus:

48. Was ist mit den Asen? Was ist mit den Alben? Das ganze Riesenheim (Jötunheim) bebt. Die Asen gehen zum Thing. Die Zwerge stöhnen vor Steintoren, die Weisen des Bergwalls (bzw. der Erde). Wisst ihr‘s zu deuten?

Was machen die Götter? Sie versammeln sich zum Gericht am Urd-Brunnen und bereiten dort die dritte Ebene von Ragnarök vor. Die Zwerge wurden hinter den Steintoren der Materie verschlossen und können nicht mehr gestalterisch wirken. Sie wurden ja in ihrer Vielfalt von den Göttern erschaffen, um den übermächtigen Riesen, die zur Erstarrung neigen, die komplexeren Lebewesen entgegenzusetzen. Nun haben diese kleinen Naturgeister ihre Aufgabe erfüllt und lösen sich zusammen mit der irdischen Materie und allem Toten bzw. Erstarrten wieder auf.

50. Hrym kommt von Osten und hebt den Schild vor sich. Jörmungandr (die Midgardschlange) windet sich in Riesenzorn (Jötunzorn). Die Schlange schlägt Wellen. Der Adler schreit, und sein bleicher Schnabel zerreißt die Toten. Naglfar (das „Nagelschiff“ als Totenschiff) ist los.

51. Ein Schiff kommt von Osten, Muspels (des Schicksalfeuers) Leute werden über das Meer kommen, und Loki steuert. Alle Unwissenden kommen mit dem Wolf und bringen Byleists (des „Wogenschlags“) Bruder mit (Loki).

52. Surt (der Feuerriese) kommt von Süden mit den Zweigen (Flammen) der Zerstörung. Von seinem Schwert leuchtet die Sonne der Walgötter. Felsenberge zerbrechen und Riesinnen stürzen, Sterbliche gehen den Helweg (alles Vergängliche vergeht) und der Himmel zerbricht.

In Hrym kann man den Inbegriff aller Hrimthursen bzw. Frostriesen erkennen, die sich mit ihrem Schild der Materialisierung gegen die Vergänglichkeit beschützen wollen. Mit dem Untergang von Midgard wird nun auch die Midgardschlange frei und wühlt das Meer der Ursachen auf, mit allem, was sich hier an Totem bzw. Erstarrtem festhalten will. So taucht das Totenschiff auf, und als Gegenwirkung steuert es Loki auf die Verbrennung im Schicksalsfeuer zu, um auch diese gebundene Energie wieder freizusetzen. Entsprechend erinnert der Schrei des Adlers an die Kraft der allgemeinen Begierde, die auch die Toten wieder auflösen und verzehren will.

Dadurch kommt nun auch Loki aus seiner Höhle im Osten unter dem fallenden Weltenbaum wieder frei, wo er gebunden lag. Muspels Leute erinnern an alle erstarrten Wesen in der sich auflösenden Schöpfung, die dem Schicksalsfeuer geweiht sind. Das sind die Unwissenden, die an einer bestimmten Form anhaften und festhalten wollen, weil sie die Wahrheit des Formlosen noch nicht erkannt haben, das reine Licht des ewigen Bewusstseins von Gimle, das nicht verbrannt werden kann. Sie kommen mit dem Wolf der Vergänglichkeit, weil sie an Vergänglichem anhaften, und bringen gleichzeitig auch die Gegenwirkung von Loki mit.

Zu dieser Erkenntnis der Wahrheit oder auch „Selbsterkenntnis“ kann man den allgemeinen Ruf der gesamten Schöpfung hören, den Schrei des Adlers, den Weckruf des Hahns, das Heulen von Garm und das Rufhorn von Heimdall. Alles ruft nach diesem ewigen Licht, das in Gimle scheint, aus dem alles entsteht und in dem alles wieder vergeht. Darin liegt wohl auch das Runen-Geheimnis aller Formen der Natur.

Diese Sonne der Walgötter leuchtet auch in den Flammen von Sutr, dem Feuerriesen aus Muspelheim, dem Schicksalsfeuer vom Schicksalsbrunnen, wo die Walgötter ihre letzte Gerichtsversammlung in diesem Schöpfungszyklus abgehalten hatten. So bedeutet auch der Name Surtur eigentlich „der Dunkle“, denn er ist ein unsichtbares Wesen, das nur an seinen Wirkungen sichtbar wird. Eben das macht diese Erkenntnis so schwer, um das Formlose im Formhaften, das Ewige im Zeitlichen und die geistige Einheit in der natürlichen Vielfalt zu erkennen.

Entsprechend kommt nun Surt aus dem Süden, aus dem geistigen Reich des Weltenbaums, und löst mit seinem Feuer alles Tote auf, damit es wieder lebendig werden kann. Die Bergriesen und ihre Seelen stürzen zusammen, alles Vergängliche vergeht und der Himmel von Raum und Zeit zerbricht, der bisher die gesamte Schöpfung beinhaltet und zusammengehalten hat. Was bleibt? Was verbrennt nicht im Feuer?

Nun beginnt die dritte Stufe der Auflösung, sozusagen auf der Ebene des Wissens oder der Information. Auch hier haben wir die folgenden zwei Verse in ihrer Reihenfolge vertauscht, um die Struktur der Ebenen besser zu verdeutlichen:

54. Laut heult nun Garm vor Gnipahellir (der „Höhlenklippe“). Die Fessel wird reißen, und der Wolf rennen. Viel Kunde weiß sie, und weiter sehe ich das gewaltige Ragnarök der Sieggötter voraus:

53. Dann tritt für Hlin (der „Schützenden“, Frigg) weiterer Schmerz zutage, wenn sich Odin anschickt, gegen den (Fenris-) Wolf zu kämpfen, und der strahlende Töter Belis (Freyr) gegen Surtr. Dort wird Friggs Geliebter (Odin) fallen.

55. Dann kommt Widar, der mächtige Sohn des Siegvaters, um gegen das Wal-Tier (den Fenriswolf) zu kämpfen. Mit seiner Hand lässt er dem Sohn Hwedrungs (dem Fenriswolf als Sohn von Loki) das Schwert ins Herz stechen. Da ist der Vater gerächt.

Hier trifft nun der Allvater auf den Allverschlinger, zum Leidwesen der Allmutter, denn sie weiß natürlich, dass mit dem Männlichen auch das Weibliche vergeht. So kann man ihr Zusammentreffen gleichzeitig als Auflösung der Schöpfung betrachten, ohne weitere Geschichte eines Kampfes, sozusagen ein Ende des Wissens und ein Ende der Mimir-Schöpfung. Dann lösen sich alle begrifflichen Unterscheidungen auf, die der schöpferische Verstand geschaffen hatte. Und damit trifft auch Freyr als Sommergott des Wachstums auf die feurige Energie der Vernichtung, und sie werden wieder ein Wesen.

Was bleibt, ist Widar, der ewige Gott des Schweigens und schweigende Kämpfer im Wald der Vorstellungen, der nun auch den Allverschlinger auflöst. Die Schwerspitze, die er in das Herz der Vergänglichkeit sticht, erinnert an das Prinzip der Einheit, das jede Vergänglichkeit überwindet, denn in der Ganzheit kann nichts verlorengehen. Dies kennt auch unsere moderne Physik als Gesetz der Energieerhaltung und sogar der Informationserhaltung. Verlust kann es nur in der Trennung geben, und dieses Problem löst nun auch Thor auf:

56. Da kommt der berühmte Sohn der Hlödyn (Thor, Sohn von Jörd, Mutter Erde), und Odins Sohn geht, mit dem Untier (der Midgardschlange) zu kämpfen. Mit ganzer Kraft (göttlichem Zorn) schlägt Midgards Beschützer zu, und alle Sterblichen müssen ihre Heimstatt (in Midgard) verlassen. Neun Schritte geht Fjörgyns Sohn (Thor, Sohn der Jörd) sterbend von der Schlange, den Neumond nicht fürchtend.

So treffen nun auch Thor und Midgardschlange direkt aufeinander und lösen sich gegenseitig auf, und das Prinzip der Abgrenzung und Trennung verschwindet. Damit verschwindet natürlich auch Thor als getrennter Aspekt der Gottheit, der nun seine Aufgabe erfüllt hat, wie auch alle anderen Aspekte. Die neun Schritte erinnern an die Macht der Erneuerung nach dem dunklen Neumond, sodass auch Thor ohne Furcht stirbt, dass irgendetwas verlorengehen könnte.

57. Die Sonne verdunkelt sich, das Land versinkt im Meer, vom Himmel stürzen die hellen Sterne. Glutrauch wütet gegen den Lebenserhalter (Surt gegen Wali?), große Hitze steigt selbst bis zum Himmel empor.

So wird es nun dunkel, wenn es kein unterscheidendes Wissen mehr gibt, keine wirkende Information. Alles Begriffliche versinkt im Meer der Ursachen, wenn das Mondlicht des reflektierenden Verstandes verschwindet. Und die Energie von allem, was vom Feuer verbrannt wurde, erfüllt nun den gesamten Himmelsraum, um sich grenzenlos auszubreiten und langsam zum „Big Freeze“ eines Ymirs abzukühlen. Dies kennt auch unsere moderne Wissenschaft, doch was sie noch nicht gefunden hat, ist der Lebenserhalter. Daher rätselt sie noch, wie aus dem „Big Freeze“ wieder ein „Big Bang“ einer neuen Schöpfung werden kann.

Hier waren die alten Weisen offenbar schon weiter, denn nun kommt die vierte Stufe von Ragnarök, sozusagen die Auflösung der Auflösung, der ewige Sieg der Götter:

58. Laut heult nun Garm vor Gnipahellir (der „Höhlenklippe“). Die Fessel wird reißen, und der Wolf rennen. Viel Kunde weiß sie, und weiter sehe ich das gewaltige Ragnarök der Sieggötter voraus:

59. Sie sieht ein weiteres Mal aufsteigen die Erde aus dem Meer, die neu ergrünte. Wasserfälle stürzen, darüber fliegt der Adler, der auf dem Felsen (sitzt und) Fische jagt.

So zieht nun der „Lebenserhalter“ die Energie wieder zusammen, Ymir als „Big Freeze“ wird wieder flüssig und lebendig, und aus dem Meer der Ursachen kann sich erneut eine fruchtbare Erde verkörpern. Das Wasser des Lebens fließt wieder, und der hungrige Adler der Begierde sitzt auf dem Felsen der Verkörperung im Weltenbaum, um im Fluss der Schöpfung seine Nahrung zu jagen. Was steht hinter dieser Begierde? Was ist das begehrte Ziel der Schöpfung? Warum wächst und strebt der Baum zum Licht?

So jagt nun die Begierde nach dem Leben. Wunderbar! Und die Fische erinnern an das Symbol des Lachses für die Geschöpfe, die sich im Wasser des Lebens im Fluss der Schöpfung immer wieder regenerieren.

60. Die Asen treffen sich auf Idawöll (dem „Feld der Erneuerung von Idun“) und reden über den mächtigen Erdgürtel (der Midgardschlange) und erinnern sich dort großer Ereignisse und Fimbultyrs alter Runen (des „mächtigen Tyr“ als Gott des gerechten Sieges).

61. Dort werden sich wieder die wunderbaren goldenen Tafeln im Gras finden, die sie in Urzeittagen besessen hatten.

Nun erscheinen die ganzheitlichen Götter wieder auf dem „Feld der Erneuerung“ von Idun, der Göttin der Jugend und Unsterblichkeit mit den goldenen Äpfeln bzw. unvergänglichen Früchten der Wahrheit. Von diesen Früchten leben die Gestalten der Götter als Aspekte der Gottheit und bleiben über den gesamten Schöpfungszyklus jung und lebendig. Und in diesem „Bewusstseins-Feld der Erneuerung“ erinnern sie sich mit Hilfe der „Seherin“ aus dem Meer der Ursachen an die Erdenwelt von Midgard und den großen Weg zum großen Ziel der Schöpfung. Dieser Weg verkörpert sich praktisch in allen Geschöpfen, deren Formen man als Runen-Symbole deuten kann. Denn in ihnen ist das Geheimnis der Schöpfung zu finden, die „wunderbaren goldenen Tafeln im Gras“, die Botschaft der ursprünglichen Wahrheit, die im Ursprung alle Wesen gemeinsam haben.

So beginnt nun die Schöpfung erneut mit einem goldenen Zeitalter. Warum? Diese Vorstellung kann man in vielen alten Schöpfungsmythen finden. Zum Beispiel das Paradies in der Bibel, das goldene Zeitalter aus der altgriechischen Beschreibung von Hesiods oder das goldene Satya-Yuga in den altindischen Puranas. Es wäre wohl auch für einen Menschen schrecklich und unerträglich, wenn ihm gleich nach seiner Geburt alle Probleme begegnen würden, die er im Laufe seines Lebens zu lösen hat. Daher beginnt nun auch hier die Schöpfung wieder mit einem goldenen Zeitalter, in dem die ganzheitlichen Götter herrschen und das egoische Prinzip der Abgrenzung und Trennung noch nicht übermächtig wurde, aber doch wachsen wird, um geheilt zu werden:

62. Die Äcker werden unbesät wachsen, alles Unheil wird heilen. Balder wird kommen. Hödur und Balder wohnen auf Hropts (des „Rufenden“) Siegstätte, dem Heiligtum der Walgötter. Wisst ihr‘s zu deuten?

63. Dann kann Hönir (die göttliche Vernunft) den Schicksalszweig wählen, und die Söhne der beiden Brüder (die Söhne von Hödur und Balder bzw. Widar und Wali?) bewohnen das weite Windheim. Wisst ihr‘s zu deuten?

Hier erscheinen nun wieder Balder und Hödur als die ewigen Prinzipien von Lichtheit und Dunkelheit, die in Wahrheit niemals sterben können, im Feld der Erneuerung einer neuen Schöpfung, der Siegstätte von Hropt, der als „Rufender“ ein Name von Odin ist, aber auch an Heimdall, den „Heimrufenden“, erinnert.

Zu diesen gegensätzlichen Prinzipien von Licht und Dunkel muss natürlich noch ein drittes Prinzip kommen, um dem Spiel der Gegensätze auch eine Entwicklungsrichtung zu geben. So erscheint hier Hönir, den wir als göttliche Vernunft gedeutet haben, um den schöpferischen Mimir-Verstand aus der Trennung wieder zur Ganzheit zu führen. Und dies ist wohl auch der Schicksalszweig, den Hönir als Ziel der Schöpfung wählt, das Ragnarök als Schicksal der mächtig Wissenden. In dieser Dreiheit erinnern die beiden Brüder auch an Widar und Wali, die ewigen Prinzipien des Schweigens und des Lebens, die man sich in der erneuten Schöpfung als Odin und Loki vorstellen kann. Ähnlich beginnt auch das Skaldenbuch der Edda mit einer Geschichte von Odin, Loki und Hönir, die als Wirkung, Gegenwirkung und Vernunft „von daheim in die Welt aufbrachen“. Und diese Welt kann man als Windheim sehen, die weite Welt im Wind des bewegenden bzw. wirkenden Geistes, wo alle Geschöpfe als Kinder der brüderlichen Gegensätze geboren werden und diese Welt bewohnen.

64. Einen Saal sieht sie stehen, schöner als die Sonne, mit Gold gedeckt, in Gimle. Dort werden treue Gefolgschaften wohnen und für immer die Freude genießen.

Hier wird nun das große Ziel der Schöpfung genannt, der ewige Bewusstseinsraum von Gimle mit der Bedeutung „vor dem Feuer geschützt“, der nur vom Gold der Wahrheit begrenzt wird. Wer die Wahrheit verlässt, verlässt auch diesen lichtvollen Raum, der schöner als jede weltliche Sonne erstrahlt. Dieses Bewusstsein kann man als das große Ziel der treuen Einherier betrachten, die der Gottheit im Heer der Einheit dienen und dort die ewige Glückseligkeit genießen.

65. Dann kommt der Starke von oben, der Mächtige zum Gericht der Ratenden (mächtig Wissenden), der alles lenkt (berät).

66. Und von unten aus Nidafjöll (dem „Neumondberg“) kommt der dunkle Drache geflogen, die glitzernde Schlange Nidhöggr („Hass-Schläger, Hass-Schlange“). Er trägt im Gefieder seiner Flügel die Leichen: Nun wird sie versinken.
(Völuspa nach Arnulf Krause, Edward Pettit und altnordischen Quellen)

Zum krönenden Abschluss wird noch einmal das Spannungsfeld angedeutet, in dem die Geschöpfe ihren Lebenskampf kämpfen, der dann nach dem goldenen Zeitalter in der Schöpfung immer härter und leidvoller wird, um schließlich im großen Sieg von Ragnarök gelöst zu werden. Von oben kommt die Gottheit mit dem mächtigen Wissen aus dem ewigen Licht des Bewusstseins, in dem die gesamte Schöpfung erscheint. Von unten aus dem „Neumondberg“ der Dunkelheit oder auch Meer der Ursachen kommen die Leichen als verdrängte Probleme, die gelöst werden wollen. Und diese werde vor allem vom Ego-Drachen und der Hass-Schlange als Prinzipien der Abgrenzung und Trennung getragen. Denn die Trennung kann man als Grundlage aller Probleme, Ängste und Leiden betrachten.

Nun wird sie versinken: Damit kann einerseits die Seherin gemeint sein, die nach ihrer Botschaft wieder ins Meer der Ursachen versinkt, aus dem sie vom göttlichen Geist geweckt wurde. Andererseits könnte auch die Hass-Schlange versinken, wenn man die Botschaft der Seherin versteht (Wisst ihr‘s zu deuten?). Dann könnte die göttlich-ganzheitliche Liebe über den Hass siegen, sodass der Adler der Begierde im Lebensbaum sein Ziel im ewigen Licht von Gimle erreicht. Happy End!?

Hier kann nun unser Verstand, der sich noch auf dem Weg befindet, fragen: Welchen Sinn hat der Lebenskampf, wenn die Schöpfung immer wieder von Neuem beginnt? Werden die Probleme aus dem Meer der Ursachen niemals vollständig gelöst? Ja, das sind schwere Fragen. Einerseits sind Lichtheit und Dunkelheit logischerweise ewige Prinzipien. Denn wenn sie vergänglich wären, dann wären sie bereits vergangen. Andererseits muss das göttliche Bewusstsein immer frei sein, sonst müsste jemand darüber oder außerhalb sein, der es bindet. Und was frei ist, kann natürlich jede Form annehmen. Um das zu erkennen, müsste man sich bewusst sein, dass es freies göttliches Bewusstsein ist, und nicht mit diesem Bewusstsein an irgendeiner Form anhaften. Hier kommt wiederum der Verstand ins Spiel, der diese Sinn-Fragen nur stellt, wenn er Abgrenzung und Trennung in Zeit und Raum sieht. Somit beißt sich die Katze (bzw. Midgardschlange) immer wieder in den Schwanz. Und das ist das Problem, das gelöst werden will…


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