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Im Weiteren möchten wir uns noch einige altnordische Lieder zur Heldensage von Sigurd anschauen. Diese Lieder sind oft schwer zu verstehen und daher auch schwer zu übersetzen. Offenbar wurden sie nicht mit dem Ziel gedichtet, die allgemein bekannte Geschichte durchgängig zu erzählen, sondern um bestimmte Aspekte tiefergehend zu betrachten, was auch wir aus geistiger Sicht versuchen wollen. Wir beginnen mit einem Fragment, das im Codex Regius nach dem „Lied der Sigrdrifa“ und einigen fehlenden Seiten beginnt:
1. Högni: … Welche Schuld hat Sigurd begangen, dass du diesen tapferen Mann des Lebens berauben willst?
2. Gunnar: Mir hat Sigurd Eide geschworen, Eide geschworen, die alle erlogen waren. So betrog er mich, der doch der treueste Bewahrer aller Eide sein sollte.
3. Högni: Brynhild hat dich zum Unheil angestachelt, vom Hass getrieben, um Leid zu bewirken. Sie missgönnt Gudrun die gute Ehe (mit Sigurd), und danach auch dir, sie (mit Brynhild) zu genießen.
Hier wird nun deutlich erklärt, warum sich Gunnar als Verstand von Sigurd als Vernunft betrogen fühlt und ihn deshalb töten will. Die Eide erinnern an das Geheimnis, wie die Ehe zwischen Gunnar und Brynhild als äußerer Natur zustande kam: Niemand sollte erfahren, dass dabei hinter dem wirkenden Verstand (Gunnar) die Macht der ganzheitlichen Vernunft (Sigurd) stand. Denn nur mit ihrer Hilfe konnte der Verstand die äußere Natur erobern und ihre Liebe gewinnen, die ihm sonst unbesiegbar und feindlich erschien.
So erkannte der Verstand die Vernunft bisher als den „treuesten Bewahrer aller Eide“, als die Wahrheit selbst, denn Sigurd hatte das Gold der Wahrheit gewonnen. Nachdem jedoch der Streit zwischen Gudrun und Brynhild als innerer Seele und äußerer Natur eskaliert war, fühlte sich Gunnar zutiefst betrogen. Dieser Streit erscheint natürlich vor allem dem unterscheidenden Verstand, der sich nun entscheiden muss, ob er sich zur Lösung an die ganzheitliche Vernunft oder an das trennende Ego wendet.
Gunnar wendet sich an Högni, der als Ego die Schuld zunächst auf Brynhild schiebt. Doch die äußere Natur ist nicht die eigentliche Ursache des Konflikts. Ihre Aufgabe besteht vielmehr darin, zusammen mit der inneren Seele karmisch angesammelte Probleme hervorzubringen und mit Hilfe des Verstandes im Spiel der Gegensätze auswirken zu lassen. Dies erinnert an die Verbindung Brynhilds zu Sigrdrifa und den Walküren. In diesem Sinne wurde sie „vom Hass getrieben, um Leid zu bewirken“.
Ja, dies hat wohl schon jeder Mensch erfahren, wie das Ego die Schuld in äußeren Umständen sucht. Meisten sind es andere Menschen oder körperliche Umstände, die an den eigenen Problemen schuld sind. Bereits durch solche äußerlichen Schuldzuweisungen wird der Untergang der ganzheitlichen Vernunft verursacht.
Aber was soll der Verstand nun tun? Er will doch Brynhild behalten, denn ohne die äußere Natur hätte der Mensch weder einen äußeren Körper noch eine äußere Welt. Somit bleibt für den Verstand nur Sigurd als Schuldiger übrig. Denn in sich selbst will er die Ursache des Problems nicht erkennen. So soll Sigurd sterben, damit der Verstand seine Verbindung zur äußeren Natur behalten kann.
Kurzgefasst das alte Dilemma: Ganzheitliche Vernunft oder körperlich-egoistische Anhaftung?
4. Der eine briet den Wolf, der andere teilte die Schlange, und beide gaben Gotthormr (dem „Gott-Ehrer“) vom Gierigen, bevor sie nach Unheil verlangend, Hand an den weisen Helden (Sigurd) legen konnten.
Über Gotthormr mit der Bedeutung als „Gott-Ehrer“ haben wir bereits ausführlich gesprochen. Hier wird nun erklärt, wie der Ego-Verstand diese Anlage zur ganzheitlichen Vernunft im Menschen verkehren und feindlich gebrauchen kann, um die Wirksamkeit der Vernunft in Gestalt von Sigurd abzutöten. Der Wolf erinnert an die Vergänglichkeit, die der Verstand in seiner Vorstellungswelt erzeugt, und die Schlange an das Ego-Wesen der Trennung und Abgrenzung. Mit Begierde vermischt kann man damit jede Vernunft zerstören.
5. Sigurd starb südlich vom Rhein. Ein Rabe schrie laut vom Baum: An euch beiden wird Atli die Schwertschneiden röten! Die Eide werden die Kampfwütigen vernichten!
Wenn man „südlich am Rhein“ liest, wie es Arnulf Krause übersetzt hat, kann man an den Anfang des „Lieds von Sigrdrifa“ denken, als Sigurd aus Dänemark kam, und es heißt: „Sigurd wandte sich südwärts zum Frankenland und ritt hinauf zum Hindarfjall.“ Dagegen macht „südlich vom Rhein“ geographisch wenig Sinn, erinnert aber im nordischen Weltbild an die Geistseite im Lebensbaum. Dies würde bedeuten, dass Sigurd mehr geistig als körperlich getötet wurde.
Der Rabe erinnert an Hugin als Odins Gedanken und der Baum an den Lebensbaum. Die Botschaft ist klar: Atli, der Bruder von Brynhild und Geist der äußeren Natur, wird die Kampfwütigen töten, die ihren Treueeid gegenüber der Vernunft brechen. Denn ohne die vernünftige Sicht des ganzheitlichen Lebens wird die äußere Natur tödlich. So erinnern auch die Schwertschneiden an das Abschneiden und die Trennung vom Leben.
6. Draußen stand Gudrun, Gjukis (des „Begabten und Gebenden“) Tochter, und fragte als Erste: Wo ist Sigurd, der Herr der Männer, da meine Verwandten vorausreiten?
Gudrun, das „Gott-Geheimnis“ als Seele des vernunftbegabten Gjuki-Menschen, schaut draußen in die Menschenwelt und fragt den Menschen, der mit seinen verschiedenen Kräften von dort zurückkehrt: Warum ist die Vernunft als führende Kraft für den Ego-Verstand verschwunden?
7. Nur Högni antwortete ihr: Wir haben Sigurd mit dem Schwert erschlagen. Den Kopf hängt nun das graue Pferd über den toten Helden.
Das Ego, das blind von sich überzeugt ist, spricht aus, was sich der Verstand gegenüber der Seele nicht auszusprechen wagt, nachdem er Odins Gedanken vernommen hat. Das „graue Pferd“ erinnert an Grani als Sigurds Körperlichkeit, das nun den Kopf hängen lässt und nicht mehr vorausreiten kann. Ist das Pferd nun tot, das von Sleipnir, Odins Reitpferd, abstammt und sich nur mit der Vernunft bewegt? Was ist Tod?
8. Da sprach Brynhild, Budlis (des „Gerichtsdieners“) Tochter: Gut sollt ihr nun Waffen und Länder nutzen! Sigurd würde allein über alles herrschen, wenn er noch ein wenig länger gelebt hätte!
9. Es wäre nicht angemessen, wenn er so über Gjukis Erbe und das Volk der Goten herrschte, da Gjuki doch fünf Söhne zur Volksherrschaft gezeugt hatte, kampfwütige Männer.
10. Da lachte Brynhild noch einmal von ganzem Herzen, und im gesamten Haus hallte es wider: Gut sollt ihr Länder und Untertanen nutzen, nachdem ihr den tapferen Helden fallen ließt!
Hier tritt nun Brynhild auf, die „mit der Brünne kämpft“, als Tochter von Budli, dessen Name man als „Gerichtsdiener“ deuten kann. Ja, dafür ist die äußere Natur wohl geschaffen, damit sich der vernunftbegabte Mensch darin erproben kann. Kann er vielleicht auch ohne Vernunft nur mit dem Ego-Verstand im Körperhaus gut leben? Oder wäre es besser, sich von einer ganzheitlichen Vernunft im Reich der Goten, der „gottbegabten Menschen“, führen zu lassen?
Die „fünf Söhne“ erinnern hier an die fünf Sinne im Menschen, mit deren Hilfe der Ego-Verstand in der äußeren Welt kämpft und herrschen sollte. Damit erkennt er die Vielfalt der äußeren Natur. Und es wäre tatsächlich nicht angemessen, diese Vielfalt in eine äußere Einheit der Monokultur zu verwandeln. Diese Botschaft hallt durch das gesamte Körperhaus. Und doch war es wohl das letzte freudige Lachen in diesem Menschen. Droht der Tod?
11. Darauf sagte Gudrun, Gjukis Tochter: Du sprichst die größte Ungeheuerlichkeit aus (sehr Unheilsames). Die Grimmigen sollen Gunnar holen, den Mörder Sigurds! Die hassvolle Gesinnung soll gerächt werden!
So reagiert nun die innere Seele der Natur als Prinzip der Verursachung auf die Forderung der äußeren Natur nach Vielfalt und sagt: Wer in der natürlichen Vielfalt die geistige Einheit nicht anerkennt, erzeugt das größte Ungeheuer, nämlich den Ego-Drachen als Unheil der Trennung, und damit auch den Weg in den Tod. Denn ohne die innere Einheit würde äußerlich alles auseinanderfallen, keine Wechselwirkungen wären möglich und damit auch kein Lernen und Leben.
Die „Grimmigen“, altnordisch Gramir, erinnern an Sigurds Schwert Gram, das ihm der Regin-Verstand geschmiedet hatte und das in der Hand der Vernunft zur Waffe wurde, um den Ego-Drachen der Trennung zu besiegen. Mit diesem „göttlichen bzw. ganzheitlichen Grimm“ soll nun auch hier die hassvolle Gesinnung des Ego-Verstandes gerächt werden, der die Vernunft getötet hat. Ist der Tod die Rache des Tötens?
12. So brach die Nacht herein. Man hatte viel getrunken, und über alle Wünsche wurde noch gesprochen. Schließlich gingen alle in ihr Bett und schliefen ein. Nur Gunnar wachte länger als alle anderen.
13. Den Fuß bewegte er, und viel besprach er (mit sich). Dabei dachte der Heervernichter darüber nach, was beide im Baum gesprochen hatten, Rabe und Adler, als sie nach Hause ritten.
So wird es nun Nacht im vernunftbegabten Menschen. Viel berauschendes Bier wurde getrunken, und viele Wünsche wurden besprochen. Bis alles in tiefen Schlaf fällt. Nur der denkende Verstand findet keine Ruhe.
Der Fuß erinnert an das Ego-Wesen aus der Geschichte von Sörli und Hamdir, mit dem sich der Mensch in der Welt bewegen kann. Zu dem Raben als Odins Gedanke kommt nun noch der Adler im Lebensbaum, den wir bereits als Symbol der Begierde kennengelernt haben, durchaus auch im positiven Sinne einer Höherentwicklung. So wird Gunnar innerlich von der Frage bewegt, wohin ihn Gedanken, Begierde und Ego ohne Vernunft führen werden.
Das „nach Hause reiten“ erinnert an die Rückkehr vom Ort des Mordes, der am Ende dieses Liedes im Prosatext noch näher besprochen wird.
14. Kurz vor Tagesanbruch erwachte Brynhild, Budlis Tochter, die Dise (Schicksalsfrau) der Skjöldungen (der „Schildlinge“ als „Beschützer“), und sprach: Treibt mich oder haltet mich zurück — das Leid ist bewirkt! Soll ich den Kummer aussprechen oder es so sein lassen?
15. Alle schwiegen auf diese Worte hin. Nur wenige verstanden das Verhalten der Frau, als sie nun weinend aussprach, was sie zuvor lachend von den Männern verlangt hatte.
Gudruns Worte haben offenbar auch in Brynhild einiges bewegt. Das ist wohl auch die Aufgabe der inneren Seele der Natur als Prinzip der Verursachung: Sie bewegt die äußere Natur und damit auch den Gunnar-Verstand, der mit ihr verbunden ist. So wird deutlich, wie innere Seele und äußere Natur zusammengehören. Und die Aufgabe der äußeren Natur ist es nun, das verursachte Problem auszusprechen, damit es sich im Geist auswirken kann.
Wer versteht diese Worte, die zu allen männlichen bzw. geistigen Kräften im Menschen gesprochen werden? Vor allem der Verstand:
16. Brynhild sprach: Oh Gunnar, ich hatte einen grimmigen Traum. Kalt war alles im Saal, und auch mein Bett war kalt. Du aber, Fürst, rittest ohne Freude und mit Fesseln gebunden in das Heer der Feinde. So wird euer gesamtes Geschlecht der Niflungen (Nibelungen) seiner Kraft beraubt, denn ihr habt eure Eide gebrochen!
17. Erinnerst du dich nicht mehr daran, Gunnar, wie ihr beide euren Weg mit Blut verbunden habt? Nun hast du ihm all dies mit Bösem vergolten, obwohl er sich als der Beste erweisen wollte.
18. Damals zeigte es sich, als er mutig zu mir geritten kam, um mich zu werben, wie der Heervernichter (Sigurd) zuvor die Eide gegenüber dem jungen Fürsten (Gunnar) gehalten hatte!
19. Der herrliche König legte ein goldgeschmücktes Schwert zwischen uns. Seine beiden Schneiden waren außen im Feuer geschmiedet, aber innen mit Gifttropfen gezeichnet.
So offenbart nun die äußere Natur dem Menschenverstand sein Schicksal, wenn in ihm die Vernunft getötet wurde. Nicht die Vernunft hatte ihre Eide gebrochen, sondern der Ego-Verstand gegenüber der Vernunft. Warum?
Nur weil sich Verstand und Vernunft blutsbrüderliche Treue geschworen hatten, konnte der Verstand die äußere Natur gewinnen. Diese Blutsbrüderschaft erinnert daran, dass beide von gleicher Essenz sind, sozusagen reines Bewusstsein. Die Vernunft hatte ihren Eid gehalten, und dem Verstand die äußere Natur überlassen, um mit ihr gemeinsam zu leben. Und dafür sollte die Vernunft mit der inneren Seele leben dürfen. So könnte der vernunftbegabte Mensch ein heilsames Leben als Einherier im Heer der Einheit führen. Doch ohne ganzheitliche Vernunft wird er zum Einzelkämpfer und geht von sich selbst gebunden in einer feindlichen Natur den Weg des Todes.
Der letzte Vers handelt noch einmal von Sigurds Schwert, das der Regin-Verstand geschmiedet und die Sigurd-Vernunft mit dem Gold der Wahrheit geschmückt hatte. Die beiden Schneiden dienen der Unterscheidung, damit der Verstand Einheit und Vielfalt als Sigurd und Brynhild unterscheiden und begrifflich verstehen kann. Die Gifttropfen erinnern an das Gift der Trennung und praktisch an die schlangenförmigen Muster der „wurmbunten“ Damaszener-Schwerter. Von der Vernunft geführt, sorgt dieses Schwert dafür, dass der Verstand im Raum zwischen geistiger Einheit und natürlicher Vielfalt heilsam wirken und lernen kann.
Vom Tod Sigurds
Hier wird in diesem Lied von Sigurds Tod berichtet, und zwar so, als sei er draußen getötet worden. Andere erzählen jedoch, dass sie ihn drinnen in seinem Bett im Schlaf getötet hätten. Die Deutschen sagen dagegen, er sei draußen im Wald getötet worden. So heißt es auch im „Alten Gudrunlied“, dass Sigurd zusammen mit Gjukis Söhnen zum Thing geritten sei, wo er getötet wurde. In einem Punkt stimmen jedoch alle überein: Sie missbrauchten sein Vertrauen und griffen ihn an, als er wehrlos und unvorbereitet war.
Über den Tod der Vernunft kann man aus philosophischer Sicht viel nachdenken. Was ist Tod? Trennung vom Leben? Sobald also Trennung herrscht, stirbt auch die ganzheitliche Vernunft. Zumindest aus Sicht der Trennung, weil sie keine Ganzheit mehr leben lässt.
Die unterschiedlichen symbolischen Geschichten zeigen, wie viel die Menschen damals darüber nachgedacht haben. Wird die Vernunft innerlich im Geist getötet? Oder äußerlich in der körperlichen Welt? Im Schlaf durch unachtsame Unbewusstheit? Oder draußen im Wald der Vorstellungen? Ja, das ist das Problem der Ganzheit, die man nur durch viele Aspekte beschreiben kann, und je mehr, desto besser.
In der deutschen Nibelungensage wird vom Ego-Verstand eine Jagd im Odenwald auf der Ost- bzw. Naturseite des Rheins veranstaltet, die in einem Wettlauf zwischen Gunther, Hagen und Siegfried zu einer Quelle im Wald endet. Dort wollen sie ihren Durst stillen, und dabei wird Siegfried von Hagen hinterrücks getötet, mit dessen eigenem Speer durchbohrt, als er sich wehrlos und vertrauensvoll zur Quelle niederbeugte.
Die nordische Sage vom Thing ist ebenfalls sehr bedeutungsvoll. Wie die Götter auf der Süd- bzw. Geistseite des Weltenbaums täglich zum Schicksalsbrunnen reiten und im Thing Gericht halten, so reitet wohl auch der Mensch täglich mit seiner Körperlichkeit zum Thing und entscheidet über sein Schicksal. Solange er von der ganzheitlichen Vernunft geführt wird, gibt es wohl keinen Unterschied zum Gericht der ganzheitlichen Götter. Nur so können weitsichtige Entscheidungen zum Heil in der Ganzheit getroffen werden.
Nun kann man sich vorstellen, wie der Ego-Verstand auf dem Thing die eigenwillige Herrschaft übernehmen wollte und damit die Vernunft getötet wurde. So wandelt sich der Mensch vom Einherier auf dem Weg nach Walhall zum Einzelkämpfer auf dem Weg nach Niflhel. Entsprechend kann man im oben erwähnten „Alten Gudrunlied“ kurzgefasst Folgendes lesen:
Nachdem Sigurd getötet worden war, kam Grani reiterlos vom Thing zurück. Die Pferde waren schweißbedeckt und erschöpft unter der Last der Mörder. Gudrun ging weinend zu Grani und fragte ihn nach Sigurd. Das Pferd ließ traurig den Kopf hängen und wusste offenbar, dass sein Herr tot war. Gudrun zögerte lange, bevor sie ihre Brüder nach Sigurd fragte. Gunnar schwieg, doch Högni sagte ihr schließlich, dass Sigurd getötet worden war, der im Sterben noch seinen Mörder Gotthormr tötete. Dann wies er sie südwärts, um dort die Reste von Sigurd zu finden: wo die Raben krächzen, die Adler schreien und die Wölfe heulen, die sich am Leichenschmaus erfreuen. („Zweites Gudrunlied“, Verse 4-8)
Hier kann man auch an die Geschichte vom Tod Balders denken, der von Hödur getötet wurde, nachdem ihn Loki zu dieser Tat getrieben hatte. Dadurch verschwand das ganzheitliche Licht, Frigg trauert als Allseele, und die gesamte Schöpfung ging ihrem Untergang entgegen. So geht nun auch der vernunftlose Gjuki Mensch seinem Untergang entgegen und muss seinem selbstgeschaffenen Schicksal folgen, dem Weg seiner Seele im natürlichen Reich von Raben, Adler und Wölfen. Und die untröstliche Trauer seiner Seele wird im nächsten Lied beschrieben…